Forschung — Monument und Sammlung
Monument und Sammlung – Schloss Thun in der Forschung
Der Donjon der Zähringer, die Stadt der Kyburger, eine Sammlung mit über 17’000 Objekten: Schloss Thun ist nicht nur ein Museum, sondern selbst ein Gegenstand der Forschung. Die Stiftung Schloss Thun zeigt hier, wo Monument und Historisches Museum heute in der Wissenschaft präsent sind – und lädt Studierende und Forschende ein anzuknüpfen: von der Bachelor- bis zur Doktorarbeit.

Um 1200 liessen die Herzöge von Zähringen über der Aare einen der mächtigsten Türme des Alpenraums errichten. Sein Rittersaal zählt zu den am besten erhaltenen hochmittelalterlichen Sälen Europas – und gibt der Wissenschaft bis heute Rätsel auf: War der grosse Turm Wehrbau, Wohnsitz oder, wie es die neuere Bauforschung formuliert, ein «Saalbau in Turmform»? Nach dem Tod des letzten Zähringers 1218 übernahmen die Grafen von Kyburg Burg und Stadt; 1264 verlieh Gräfin Elisabeth Thun die Handfeste. So verdichtet sich am Schlossberg die Geschichte zweier grosser Dynastien des Hochmittelalters.
Dass dieses Monument die akademische Welt beschäftigt, zeigte zuletzt die internationale Tagung «Grosse Türme» der Wartburg-Gesellschaft: Im Mai 2025 diskutierten Burgenforschende aus ganz Europa in Spiez über Donjons, Bergfriede und Keeps – mit einer Exkursion zu Stadt und Schloss Thun. Auch die Wanderausstellung «Die Zähringer – Mythos und Wirklichkeit» mit Stationen im deutschen Südwesten sowie in Thun und Burgdorf hat die Dynastie neu ins Licht gerückt.
Die Stiftung Schloss Thun versteht Monument und Sammlung des Historischen Museums als offenes Archiv: über 17’000 Objekte vom Neolithikum bis ins 20. Jahrhundert, wissenschaftliche Jahresberichte seit 1923 und ein Netzwerk in Archive und Universitäten. Was daraus entsteht, bilden wir hier ab – und regen Neues an.
Das Forschungscluster
Vier Felder, ein Ort: Wo Schloss Thun heute in der Wissenschaft präsent ist – mit der neuesten Literatur zum Weiterlesen.
Zähringer · Bauforschung
Der Donjon der Zähringer
Vier Ecktürme, ein grosser Saal: Der Turm von um 1200 gilt als Schlüsselbau des zähringischen Burgenbaus – und wird von der Bauforschung neu gedeutet.
- Armand Baeriswyl: Der zähringische grosse Turm im Schloss Thun – ein Saalbau in Turmform?Forschungen zu Burgen und Schlössern, Wartburg-Gesellschaft, 2019
- Jürgen Dendorfer, Heinz Krieg, R. Johanna Regnath (Hg.): Die Zähringer. Rang und Herrschaft um 1200Thorbecke, Ostfildern 2018 – das Standardwerk der neueren Zähringerforschung
- Thomas Zotz: Die Zähringer. Dynastie und HerrschaftKohlhammer, Stuttgart 2018
- Armand Baeriswyl: «Zähringerstädte» – ein städtebaulicher Mythos unter der Lupe der ArchäologieAufsatz als PDF auf schlossthun.ch
Kyburger · Stadtgeschichte
Die Kyburger und die Stadt Thun
1218 erben die Grafen von Kyburg Burg und Stadt, 1264 verleiht Gräfin Elisabeth die Handfeste: Die neuere Forschung erzählt die Kyburger als «Adelsgeschichte mit Brüchen».
- Peter Niederhäuser (Hg.): Die Grafen von Kyburg. Eine Adelsgeschichte mit BrüchenMitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 82, Chronos, Zürich 2015
- «Kyburg, von» – Historisches Lexikon der Schweizder aktuelle Forschungsstand im Überblick
- Projekt «Wappen und Siegel von Thun»unsere eigene Forschung zur Handfeste von 1264 und zur Familie de Chalon
Burgenforschung · International
Thun im Blick der internationalen Forschung
Von Schottland bis Böhmen: Die Burgenforschung vergleicht die «grossen Türme» des Mittelalters – und macht dabei Halt in Thun.
- Tagung «Grosse Türme – Bergfriede, Wohntürme, Donjons, Keeps», Spiez 2025Wartburg-Gesellschaft mit Universität Bern, Archäologischem Dienst des Kantons Bern, Schlossmuseum Spiez und Schweizerischem Burgenverein – mit Exkursion zu Stadt und Schloss Thun
- Tagungsband in der Reihe «Forschungen zu Burgen und Schlössern»in Vorbereitung – wir verlinken ihn hier nach Erscheinen
- Wanderausstellung «Die Zähringer – Mythos und Wirklichkeit»Alemannisches Institut, Stadtarchiv und Universität Freiburg i. Br. – mit Stationen u. a. in Thun und Burgdorf
Sammlung · Historisches Museum
Die Sammlung als Quelle
Über 17’000 Objekte vom Neolithikum bis ins 20. Jahrhundert: Vieles ist erschlossen – vieles wartet noch auf seine wissenschaftliche Bearbeitung.
- CERAMICA CH – die Bestände der Stiftung Schloss Thun im nationalen KeramikinventarCeramica-Stiftung Basel; u. a. Thuner Majolika und Heimberger Keramik
- Jahresberichte & Bibliografiewissenschaftliche Beiträge zum Schloss seit 1923, zum Nachlesen und Herunterladen
- Die Sammlung im Überblicklaufend erschlossen – eine Fundgrube für Abschlussarbeiten
Neu erschienen, neu getagt? Melden Sie uns Titel und Projekte über das Formular – wir führen das Cluster laufend nach.
Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit? Forschen Sie mit uns
Die Stiftung Schloss Thun fördert wissenschaftliche Arbeiten über das Monument, die Sammlung und die Geschichte des Museums – ausdrücklich auch Qualifikationsarbeiten von der Seminararbeit bis zur Dissertation, etwa in Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte oder Museologie.
- Zugang: Nach Absprache öffnen wir Sammlung, Depot und Dokumentation für Ihre Fragestellung.
- Vernetzung: Wir vermitteln Kontakte – zum Burgerarchiv Thun, zum Staatsarchiv des Kantons Bern, zum Archäologischen Dienst und zu universitären Betreuungspersonen.
- Sichtbarkeit: Ergebnisse können im Thuner Jahresbericht und auf dieser Seite publiziert werden.
Themen gibt es genug: die Deutung des Donjons, unerschlossene Bestände der Sammlung – von der Keramik bis zu den Militaria – oder die Geschichte des Museums seit dem 19. Jahrhundert. Gerne entwickeln wir Ihr Thema gemeinsam.
Ihre Anfrage an die Forschung
Sie planen eine Abschlussarbeit, suchen Literatur oder Quellen zu Schloss Thun, möchten auf eine neue Publikation hinweisen oder eine Kooperation vorschlagen? Schreiben Sie uns – wir lesen jede Nachricht und antworten per E-Mail.
Die Orte selbst erleben
Am eindrücklichsten wird diese Geschichte im Turm selbst: Die Führung «Beinahe Kaiser – Zähringer, Kyburger und Habsburger» führt durch die Dynastiegeschichte auf dem Schlossberg. Und in der Sammlung begegnen Ihnen die Zeugnisse dieser Zeit – vom Richtschwert bis zur Thuner Majolika – im Rittersaal des Donjons.