Keramik aus Heimberg und Steffisburg – von Thun in die Welt – Schloss Thun forscht

Forschung — Keramik

Schloss Thun forscht

Keramik aus Heimberg und Steffisburg – von Thun in die Welt

Bemalte Krüge, Teller und Vasen aus den Töpfereien von Heimberg und Steffisburg gingen einst als «Thuner Majolika» in alle Welt – als Souvenirs der Belle Époque, bekannt geworden an der Weltausstellung von Paris 1878. Die Stiftung Schloss Thun bewahrt heute die weltweit bedeutendste Sammlung dieser Keramik. Hier machen wir Sammlung, Forschung und Netzwerke sichtbar – und helfen Ihnen gerne, Ihre eigenen Stücke zu bestimmen.

Originale Entwurfszeichnung «Aus Grossmutters Küchenschrank» für einen bemalten Krug – Keramiksammlung der Stiftung Schloss Thun
Originale Entwurfszeichnung aus der Keramiksammlung – Motiv des Plakats zur Sonderausstellung «Bewahrte Schätze» (2024/25)

Um 1900 arbeiteten in der Region Heimberg-Steffisburg noch fast fünfzig Töpfereien. Aus dem einfachen Heimberger Gebrauchsgeschirr des 18. Jahrhunderts war eine eigentliche Kunstindustrie geworden: Für die Gäste der Belle Époque am Thunersee entstanden reich bemalte Stücke mit Edelweiss, Alpenrosen und Stadtansichten – die «Thuner Majolika» (ca. 1870–1914), die streng genommen gar keine Majolika ist, sondern bemalte, bleiglasierte Irdenware mit klangvollem Verkaufsnamen.

Die Stiftung Schloss Thun bewahrt heute 3082 Keramiken – die zweitgrösste Keramiksammlung des Kantons Bern und die weltweit bedeutendste Sammlung der Thuner Majolika: über 1000 Stück, darunter 131 Vedutenplatten mit Ansichten von Thun und dem Berner Oberland. Dazu kommt ein grosser Bestand an originalen Entwurfszeichnungen führender Keramiker der Region – allen voran von Friedrich Ernst Frank (1862–1920), dem wichtigsten Zeichner und Keramikmaler der Steffisburger Manufaktur Wanzenried.

Von Januar 2023 bis September 2025 hat der Keramikforscher Dr. Andreas Heege im Auftrag der CERAMICA-Stiftung Basel eine Generalinventur unseres gesamten Keramikbestands durchgeführt – als Teil des nationalen Keramikinventars CERAMICA CH. Jedes einzelne Stück ist seither mit Foto und wissenschaftlichem Beschrieb frei im Internet recherchierbar. Eine vertiefte wissenschaftliche Auswertung der Thuner Majolika steht hingegen noch aus – genau hier setzt unser Forschungsprojekt an.

Neues aus der Forschung

Die ersten Forschungsbeiträge – etwa zu den Entwurfszeichnungen von Friedrich Ernst Frank, zur Manufaktur Wanzenried oder zu den 131 Vedutenplatten – erscheinen hier laufend.

Die englischen Fassungen aller Beiträge finden Sie auf der englischen Projektseite.

Die Sammlung online erforschen

Dank der Generalinventur ist unsere Keramik heute in mehreren frei zugänglichen Datenbanken erschlossen:

Zum Weiterlesen: die neueste Literatur

  • Andreas Heege / Andreas Kistler: Keramik aus Langnau. Zur Geschichte der bedeutendsten Landhafnerei im Kanton Bern, 2 Bände, Bern 2017 – frei als PDF verfügbar.
  • Andreas Heege / Andreas Kistler: Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e–19e siècles. Collections du Musée Ariana, Genève, Mailand 2017 (deutsch/französisch).
  • Jonathan Frey / Andreas Heege / Andreas Kistler / Alfred Spycher: Keramik aus Blankenburg. Abraham Marti (1718–1792), ein bernischer Landhafner, Bern 2023.
  • Brigitte Meles / Andreas Heege: Zürcher Kachelöfen. Das Hafnerhandwerk in der Stadt Zürich und seine Produkte, Schaffhausen 2023.
  • Hermann Buchs: Die Thuner Majolika des Johannes Wanzenried und des Zeichners Friedrich Ernst Frank, in: Jahresbericht Historisches Museum Schloss Thun, 1980 – und ders.: Vom Heimberger Geschirr zur Thuner Majolika, Thun 1988. Mehr dazu in unseren Jahresberichten & der Bibliografie.

Wer in der Schweiz zur Keramik forscht

Führende Keramik-Museen der Schweiz

Gemeinsam forschen: unsere Kooperationen

Keramikforschung lebt vom Austausch. Am engsten arbeiten wir mit der CERAMICA-Stiftung Basel zusammen, die unsere Generalinventur ermöglicht hat und den Bestand auf CERAMICA CH betreut.

Eine besondere Verbindung führt nach Brienz: Das Schweizer Holzbildhauerei Museum und die Schule für Holzbildhauerei («Schnätzi») bewahren einen Teil des Nachlasses des Bildhauers und Kunstpädagogen Ferdinand Huttenlocher (1856–1925). Für uns ist das besonders interessant, weil Huttenlocher um 1908 auch an der Töpfer- und Zeichenschule in Steffisburg unterrichtete – jener Schule, an der die Töpfer der Region ihr Zeichnen und Modellieren verfeinerten und an der auch Friedrich Ernst Frank lehrte, dessen Entwurfszeichnungen wir bewahren. So verbinden sich Brienzer Holz- und Thuner Tonhandwerk zu einem gemeinsamen Kapitel bernischer Kunsthandwerksgeschichte.

Sie forschen selbst zur Keramik der Region oder betreuen eine Sammlung? Wir freuen uns über den Austausch: info@schlossthun.ch.

Was für ein Stück haben Sie? Wir bestimmen es gerne

Vielleicht steht auch bei Ihnen ein bemalter Krug aus Grossmutters Küchenschrank, ein Teller mit Thuner Stadtansicht oder eine Platte mit altem Spruch? Wir helfen Ihnen sehr gerne, Ihr Objekt zu bestimmen – mit unserer Referenzsammlung und der Datenbank CERAMICA CH. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Markt- oder Versicherungswerte schätzen.

z. B. Teller, Krug, Platte oder Kachel – mit Massen und allfälligen Marken, Signaturen oder Beschriftungen auf der Unterseite
Dekor, Farben, Zustand, Herkunft oder Familiengeschichte – alles hilft bei der Bestimmung. Fotos senden Sie uns am einfachsten per E-Mail an info@schlossthun.ch.

Crowdfunding

Keramikforschung unterstützen

Die Generalinventur ist abgeschlossen – jetzt beginnt die Auswertung: die wissenschaftliche Erforschung der Thuner Majolika und der Entwurfszeichnungen, die Beantwortung Ihrer Anfragen und die Veröffentlichung der Ergebnisse. Mit Ihrer Spende machen Sie diese Arbeit möglich. Herzlichen Dank!

Bitte vermerken Sie «Keramik» im Mitteilungsfeld Ihrer Spende, damit wir sie dem Projekt zuordnen können.

Die Objekte selbst erleben

In der Dauerausstellung im Donjon begegnen Ihnen ausgewählte Stücke der Keramiksammlung – vom Heimberger Geschirr bis zur Thuner Majolika. Mehr zur Sammlung mit ihren über 17’000 Objekten finden Sie auf unserer Sammlungsseite – und wer tiefer eintauchen möchte, wird in den Jahresberichten seit 1923 fündig.