Turmbücher und andere Rechtsquellen: Stimmen der Vergessenen aus Thuner und Berner Archiven

ForschungStimmen der Vergessenen

Turmbücher und andere Rechtsquellen: Stimmen der Vergessenen aus Thuner und Berner Archiven

Wer genau beging wann welches Vergehen – und welche Strafe wurde im Einzelfall gesprochen? Bei Straffällen, die Jahrhunderte zurückliegen, bleibt vieles im Dunkeln. Für Thun aber lassen sich aus den Rechtsquellen des Burgerarchivs Thun und des Staatsarchivs des Kantons Bern erstaunlich viele Einzelschicksale rekonstruieren: der Eidbrecher, die wegen Diebstahls verurteilte Magd, hinterlistige Mörder – ja sogar «Hexen» und zum Tode verurteilte Wahrsager.

Was die Turmbücher erzählen – und was nicht

Eine Schlüsselquelle sind die sogenannten Turmbücher: Aufzeichnungen zu den Gefangenen im Schlossturm, mit Verhörprotokollen und Urteilen. Sie decken freilich nicht die gesamte Kriminalität jener Zeit ab – Verstösse gegen die religiösen und sittlichen Normen etwa waren Sache der Chorgerichte und haben eigene Spuren in den Akten hinterlassen. Darum werten wir neben den Turmbüchern auch weitere Rechtsquellen des Burgerarchivs Thun und des Staatsarchivs des Kantons Bern aus.

Die «peinliche Frage»

Das Strafverfahren folgte genauen Regeln – aus heutiger Sicht erschreckenden: Die Folter, die «peinliche Frage», galt auch in Thun als angemessenes Mittel, Angeklagte zum Geständnis zu bringen. Viele überlieferte Geständnisse sind darum mit grösster Vorsicht zu lesen. Wer tiefer eintauchen möchte: Das Historische Lexikon der Schweiz erklärt die Folter im alten Recht.

Auch sie gehören dazu: die Vollstrecker

Zu den Stimmen der Vergessenen zählen wir auch jene, die die Urteile umsetzen mussten – Gefängniswärter, Weibel und nicht zuletzt der Scharfrichter. Was mag ihm durch den Kopf gegangen sein, wenn er das Richtschwert hob? Das Thuner Richtschwert ist bis heute im Schlossturm zu sehen.

Gemeinsam forschen

Wir arbeiten eng mit dem Burgerarchiv Thun und dem Staatsarchiv des Kantons Bern zusammen, erhalten laufend Anfragen und helfen, wo wir können. Was wir finden, veröffentlichen wir hier – mit Sorgfalt und Respekt: Hinter jedem Eintrag steht ein Mensch.

Zum Weiterlesen: aktuelle Forschung

Die Turmbücher und die bernische Justizgeschichte beschäftigen auch die aktuelle Forschung – zwei Beispiele:

War ein Urahn Ihrer Familie unter ihnen – als Verurteilter, als Klägerin, als Zeuge oder gar als Richter? Stellen Sie uns Ihre Frage auf der Projektseite – wir lesen jede Nachricht.