Forschung — Stimmen der Vergessenen
Vom Turmgefängnis zum Museum: der letzte Wärter vom Schlossberg
1886 schloss der Kanton das alte Gefängnis im Schlossturm und errichtete an der Burgmauer das neue Regionalgefängnis. Nur zwei Jahre später, 1888, öffnete oben im Donjon das Museum seine Türen – und der Gefängniswärter amtete fortan in Personalunion als Billettverkäufer und Museumswächter. Kaum ein Ort erzählt den Übergang von der alten zur neuen Zeit so anschaulich wie der Thuner Schlossberg.
Gefangen im Wahrzeichen
Jahrhundertelang liess die Obrigkeit Verdächtige und Verurteilte «in den Stock, in den Turm oder in Gefängnis legen» – so die alte Rechtssprache. Die Zellen im Turm sind bis heute erhalten: karge Verschläge unter dem Dach des mächtigen Donjons, in denen Gefangene auf Verhör und Urteil warteten.
Was Sie heute sehen
Beim Aufstieg durch den Turm begegnen Ihnen die alten Zellen, die Folterinstrumente und das Thuner Richtschwert. Unsere Sonderausstellung «Recht im Wandel – Gerichte und Gerichtete in der Thuner Geschichte» (2025, in Kooperation mit dem Burgerarchiv Thun) zeichnete diesen Wandel nach – vom Blutgericht bis zur modernen Justiz des 19. Jahrhunderts, als das Bezirksgericht ins Neue Schloss einzog.
Die Ausstellung ist Geschichte – die Forschung geht weiter: Auf der Projektseite «Stimmen der Vergessenen» veröffentlichen wir laufend neue Funde aus den Archiven und beantworten Ihre Fragen.